Anfang des Jahres hatte Altnachbarvater Udo Buhn zögerlich in die Runde des Nachbarschaftsvorstandes gefragt, ob Interesse an einem Arbeitscamp besteht. Als Initiator und Motor dieses Projektes freut er sich natürlich, wenn dieses Vorhaben weitergeht.

Sowohl aus dem Vorstand als auch von der Kirchengemeinde kamen keine klaren Signale, nach dem Motto „Schau mer mal…“ Es vergingen die Wochen, die Monate… Irgendwann im Frühsommer, als dann der Altnachbarvater erneut in der Kirchengemeinde nachfragte, hieß es von dort wie selbstverständlich: „Na klar, warum nicht?“ Und die „deutschen“ Zeidner, schon (fast) 100prozentige Germanen: „Wie kann man so kurzfristig planen?“ Die Optimisten aus der Nachbarschaft und aus dem Presbyterium ließen sich nicht beirren: Wir ziehen das durch, unabhängig davon, wie viele Interessenten kommen.

Denn wir alle wissen, beim Arbeitscamp geht es nicht nur ums Arbeiten, sondern auch um Gemeinschaft. Man möchte die Beziehungen zur Heimatgemeinde stärken und gemeinsam überlegen, mit welchen Projekten sich diese Gemeinschaft in die Zukunft führen lässt. Ein weiterer Effekt: Immer wieder entdecken Zeidner aus Deutschland ihre Heimat, und verbringen Zeit in ihrem Heimatort. So zum Beispiel Richard Szilaghi , der mit seinen beiden Kindern, Mara 18 und Paul 23 Jahre alt, wohnhaft in Lübeck, beim Camp mitgemacht und der sich nun bereit erklärt hat, das nächste Camp zu organisieren.

Am 13. August um neun Uhr standen 53 Personen – neuer Teilnehmerrekord – , im Kirchhof bereit, bei diesem Camp mitzumachen. In letzter Minute – wie das (leider) immer öfters passiert, haben sich noch einige Volontäre angemeldet. Erfreulich: 25 der Teilnehmer kamen aus dem Ausland, 28 aus Zeiden, ausgewogener hätte die Mischung nicht sein können – auch das gab es noch nie.

Seit die Zeidner Kirchengemeinde ein neues, verjüngtes Presbyterium hat, angefangen mit dem neuen Kurator Mihai Catargiu, scheint auch die Mobilisierung und die Aktivierung der Schüler und Jugendlichen gut zu funktionieren. Catargiu und Neupresbyterin Christine Benga sowie die neue, junge Sekretariatskraft Denisa Brânzei sind dabei, die Jugendarbeit wieder zu beleben, wie sie es zu Zeiten von Pfarrer Andreas Hartig kannten. Einige machten auch bei diesem Camp mit und sind auch als Kirchenführer in den Sommerferien aktiv.

Und nochmals: Die Arbeit war das „schmückende Beiwerk“, denn das ist schnell erzählt: Alle Ziegeln aus den vielen Kornkammern wurden nun in nur einer Kammer gelagert, weitere Kornkammern wurden gereinigt und Schutt entsorgt, dabei auch einige alte Fotos gefunden, alte Orgelbestandteile, ebenfalls verstreut, zusammengelegt. Schließlich wurde fleißig in der Kirche und auch im Kirchhof geputzt, damit die Anlage im festlichen Gewande erstrahlt, wenn die Einweihungsfeier für den Leichenwagen stattfindet.

Und ganz wichtig: Endlich ist die Marmorplatte im Kirchhof befestigt worden, auf der sich Kirchengemeinde, Nachbarschaft und die Stiftung Zeiden bei allen Spendern für die Unterstützung bei der Kirchenburgrenovierung 2017 bis 2023 bedanken.

Nicht zu vergessen, und deshalb ist es auch so wichtig, diese Veranstaltungen fortzuführen, ist der Austausch, die Gespräche, die ganze Atmosphäre – einfach alles. Es begann mit einer feierlichen Andacht in der Kirche, in der Pfarrer Danielis Mare darauf hinwies, wie wichtig es ist, dieses jahrhundertealte Erbe in gutem Zustand der nächsten Generation weiterzugeben.

Nicht fehlen durften als Nächstes, so wie sich das für ein deutschen Projekt gehört, die Unterrichtung zu den Sicherheitsmaßnahmen, die Altnachbarvater vornahm; und dann konnte es losgehen. Die fleißigen Frauen des Nähkreises bereiteten an beiden Tagen die Jause vor, und natürlich freute man sich auf Aufstriche wie Evangelischer Specke oder Sacusca oder Vinete – und das alles aufgetischt unter den Bäumen auf dem Kirchhof. Den Abschluss bildete ein Fest auf dem Pfarrhof mit Gegrilltem, mit Tanz und vielen Gesprächen.

Am späten Nachmittag des ersten Arbeitstages fand im Kirchhof noch eine Sitzung von Presbyteriumsvertretern, Pfarrer Danielis Mare und Vertretern des Vorstandes der Nachbarschaft aus Deutschland statt. Von beiden Seiten waren zu spüren, dass man sich eine Intensivierung der Beziehungen und des Austausches wünscht. Ganz oben auf der Arbeitsprioritätenliste der Kirchengemeinde steht die Renovierung der Leichenhalle, mit der im Herbst begonnen wird. Ein weiteres Vorhaben besteht darin, den Turm innen in so einen Zustand zu versetzen, dass er auch für Gäste begehbar ist.

Die Studenten der „Holzhochschule“ in Kronstadt stehen bereit, einen Aufgang zum Turm zu bauen, nachdem sie so vorbildlich den Leichenwagen restauriert haben. Und dann gibt es noch eine gemeinsame Vision von Nachbarschaft und Kirchengemeinde, dass aus einigen Kornkammern ein Gemeinschaftsraum für verschiedene Festlichkeiten gebaut wird. Ideen, Pläne, Berechnungen gibt es schon. Wir halten Sie auf dem Laufenden, denn wir brauchen noch etwas Unterstützung…Als Fazit nur der Gedanke eines Mitmachers aus Deutschland, der schreibt: „Ich bin gut angekommen, aber mit den Gedanken noch immer in Zeiden.“

hk