Das kommt raus, wenn Wander-Sachsen das Wisent-Tal stürmen

16. Juli 2026

Die fränkische Schweiz besticht durch ihre überraschende Schönheit. Ruhige Dörfer und eine sanft hügelige Landschaft, geprägt von Feldern und Wäldern, warten dort auf Reisende. Wer hindurch fährt, weiß um die Bedeutung der Worte „Haritsch“ sowie „Eikresch“, weil sich die Landschaft so ruhig zeigt, sodass man sich existentielle Fragen stellt wie: „Gott, was soll ich hier?“ oder „Von was leben die Leute?“ – und das alles nur gut 40 km Luftlinie nordöstlich von Nürnberg entfernt. – Aber dann kommen die Täler mit den markanten Felsformationen und schroffen Gesteinsblöcken. Plötzlich spektakulär! – Und genau da will er hin, der Zeidner.

Egmond Kauffmann organisierte wieder ein großartiges Motorrad- und Wandertreffen, von Freitag, den 10. bis Sonntag, den 12. Juli 2026. Es war bereits das 16. Treffen bewegungsfreudiger Zeidner. Traditionell war der Samstag schon immer der „Action-Tag“ an dem das Bierchen vom Vortag heraugeschwitzt werden musste. Und so kam es auch: Nachdem sich die Motorrad-Sachsen am Samstag, um ca. 10:30 Uhr auf ihr Asphalt-Abenteuer begaben, machten sich auch 40 Zeidnerinnen und Zeidner auf den Weg, um die Gegend um Gößweinstein zu erkunden, geführt von Gudrun Klein, die sich auskannte. – Mochte für die einen der Begriff „Sachsenmühle“ eine derb-rustikale Umschreibung des eigenen angestaubten Motorrades bedeuten, so stand für die anderen dieser Begriff für ein paradiesisches Einöd, am Wasser gelegen, mit Biergarten. – Ganz klar, dass die gutgelaunten Zeidner dahin mussten. So starteten die Wander-Sachsen gemütlich vom Landgasthof „Frankenstern“ zur ca. 3,2 km entfernten Mühle. Und das alles wunderschön im Tal des Flusses Wiesent entlang, bei sommerlichen Temperaturen, Schatten und einer sanften Brise.

Entgegenkommende Wanderer und Fahrradfahrer wurden mit Klatschen und motivierendem Grölen begrüßt, als ob diese ihre Etappe der „Tour-de-France“, bzw. in diesem Fall die „Tour-de-Franken“ absolvieren würden. So sind die Zeidner dadurch sicher noch im Gedächtnis des einen oder anderen geblieben. Da 3,2 km Wanderweg schon sehr lang sein können, gab es auf halber Strecke eine Runde „Țuică“ für die Wanderer. Die sowieso schon heitere Stimmung bekam noch etwas Nachschub. Bei der Sachsenmühle wurde erst einmal schön Rast eingelegt, bei leckerem lokalem Bier sowie Kaffee und frischem Kuchen. Interessant zu wissen, dass die Zeidner im sogenannten „Bier-Franken“ unterwegs waren, mit seinen vielen kleinen Dorf-Brauereien, während Richtung Würzburg „Wein-Franken“ lag. Und wie wir den gemeinen Zeidner kennen, muss er diese Biervielfalt über den Gaumen kennenlernen, vorher glaubt er es nicht. Kurz nach Mittag machten sich die Wanderer wieder auf den Heimweg von der Mühle. In der Nähe der „Stepfermühlquelle“ gab es den Aufstieg zum Schloss Gößweinstein, bei dem sich die Truppe in ungefähr zwei Hälften aufteilte. Die eine Hälfte zog weiter zum Landgasthof Frankenstern und die andere beging den recht steilen Aufstieg zum Schloss. Vorbei an nahezu senkrechten Wänden aus Felsen, an dem schlanke Buchen elegant emporwuchsen, fühlten sich die schwitzenden Zeidner zu Hause, wie am heimatlichen Ritterfelsen. Kurz vor dem Schloss wartete noch eine wunderbare Aussicht ins Tal als Belohnung auf die Felsenfreunde. Es fehlte lediglich ein witziger Aufkleber wie „Schön hier, aber waren Sie schon mal in Zeiden?“, irgendwo am Geländer angebracht. – Am Schloss angekommen gab es dann erst einmal ein Gruppenfoto, um anhand dessen auch nachzählen zu können, wer die Besteigung lächelnd überlebt hatte. Die Wander-Zeidner zogen dann heiter in Richtung Zentrum des kleinen Ortes Gößweinstein. – Und hier wartete ein fast surrealer Eindruck auf sie. Gößweinstein hatte die Größe eines Dorfes, aber im Zentrum stand eine imposante barocke Basilika mit Doppeltürmen, die man wegen ihrer Größe eher in einer Großstadt vermuten würde. Der Wallfahrtsort zog auch an dem Wander-Tag sichtlich Touristen an, die sich vor allem rund um die Basilika aufhielten, – und hier kommt Anthony Quinn ins Spiel. Eingekehrt beim Gasthaus „Krone“, gegenüber der Basilika machten die Wander-Zeidner eine letzte Pause vor dem Abstieg zum Landgasthof Frankenstern.

Auf dem Weg zum Klo, da hing er dann, der Anthony Quinn, – bzw. eine persönliche Widmung von ihm, als er sich in der Krone aufhielt. Unglaublich! Anthony Quinn, der Schauspieler, der Onassis und andere große Charaktere spielte, – fuhr also 1995 genauso durch den Haritsch, so wie wir Zeidner, um nach Gößweinstein zu kommen! In der Gegend drehte er den Film „Seven Servants“ (1996 veröffentlicht). Er kaufte dort sogar Grund, um ihn zu bebauen und wollte in Franken seinen Lebensabend verbringen, aber dazu kam es nicht mehr, – die Letalität war schneller. Die Zeidner wollten hier aber noch nicht ihren Lebensabend verbringen, so schön es auch war und so stiegen sie dann über einen Weg oberhalb der „Paulinenhöhe“ langsam zum Stützpunkt „Frankenstern“ herab, den die Zeidner ca. 16:00 Uhr erreichten, nach ca. 9,8 km Wanderung. Dank Gudrun kamen alle auch heil an. Hier warteten die Wanderer dann auf die Motorrad-Zeidner, die kurz darauf eintrafen um dann gemeinsam den Abend mit leckerem Essen wie Mici, Dobostorte, oder Creme-Schnitten, Polonaise und einer letzten Feierei vor der Heimfahrt am Sonntag zu begehen.

Ein Hoch auf Egmond für die großartige Organisation, dem Team von der Gaststätte für die Köstlichkeiten und rundum gelungene Beherbergung sowie alle Zeidnerinnen und Zeidner, die zum Treffen kamen!

Großartig wars!

Und das dachte sich wohl auch Anthony Quinn, als er sich vor 30 Jahren in die Gegend verliebte. – Und hätte er uns Zeidner kennengelernt, hätte er wohl auch einen kleinen Țuică bekommen…  Noroc! 😊

Ralf Ziegler