Dreifache Einweihung und ein besonderer Namenstag in der Kirchenburg von Zeiden

Es war ein besonderer Tag für die Evangelische Kirchengemeinde Zeiden: Gleich mehrere Projekte, die in den vergangenen Monaten und Jahren entstanden sind, konnten am 15. August feierlich eingeweiht werden. Im Mittelpunkt stand dabei ein außergewöhnliches Stück Zeidner Geschichte – der historische Leichenwagen der Kirchengemeinde.

Viele Jahrzehnte gehörte der von vier Pferden gezogene Leichenwagen zum Leben der Zeidner Kirchengemeinde. Bis in die 1990er-Jahre wurde er bei Beerdigungen eingesetzt. Danach geriet er zunehmend in Vergessenheit und wurde unter einem einfachen Schuppen innerhalb der Kirchenburg abgestellt.

Mit den Jahren verfiel nicht nur der Schuppen, sondern auch der wertvolle historische Wagen. Was einst selbstverständlich zum Ortsbild und zum kirchlichen Leben gehörte, drohte endgültig verloren zu gehen.

Die Kirchengemeinde entschloss sich deshalb, dieses Stück Zeidner Geschichte zu bewahren und fachgerecht restaurieren zu lassen. Pfarrer Danielis Mare nahm Kontakt zur Hochschule auf. Unter der Leitung von Professorin Maria Cristina Timar – übrigens mit Zeidner Wurzlen – nahm sich im vergangenen Sommer eine Gruppe von Studierenden der Hochschule für Holzverarbeitung aus Kronstadt des historischen Wagens an. Gemeinsam mit der Werkstatt Velm Workshop, mit der die Hochschule zusammenarbeitet, wurde der Wagen Schritt für Schritt restauriert.

Die Arbeiten waren aufwendig und verlangten viel handwerkliches und restauratorisches Können. Dabei ging es nicht darum, den Wagen einfach wieder „schön“ herzurichten, sondern seine historische Substanz und sein Erscheinungsbild möglichst authentisch zu bewahren.

Ein neues Zuhause für den Leichenwagen

Damit das restaurierte Stück dauerhaft geschützt werden kann, ließ die Kirchengemeinde bereits im Frühjahr einen neuen Pavillon auf dem Gelände der Kirchenburg errichten. Hier ist der Leichenwagen nun vor Witterung geschützt und kann von Besuchern besichtigt werden.

Eine kleine Ausstellung im Pavillon dokumentiert zugleich die Restaurierung. Zahlreiche Bilder zeigen den ursprünglichen Zustand des Wagens, die einzelnen Arbeitsschritte und den Weg bis zur heutigen Fertigstellung. Damit ist aus einem beinahe vergessenen und vom Verfall bedrohten Gegenstand ein sichtbares Zeugnis der Zeidner Geschichte geworden.

Feierliche Einweihung mit vielen Gästen

Am 15. August fand nun die feierliche Einweihung statt. Unter den Gästen waren zahlreiche Mitglieder der Zeidner Heimatortsgemeinschaft (HOG), die bereits im Vorfeld nach Zeiden gekommen waren, um am diesjährigen Arbeitscamp teilzunehmen.

Auch Vertreter der Hochschule und der an der Restaurierung beteiligten Werkstatt waren angereist. Besonders herzlich begrüßte die Kirchengemeinde Professorin Maria Cristina Timar, die die Restaurierungsarbeiten begleitet hatte.

Die Feier begann mit einer Andacht, die Pfarrer Danielis Mare hielt. Anschließend richteten Kurator Mihai Catargiu und die Vertreter der Hochschule einige Worte an die Anwesenden.  Victor Marin als Vertreter der ausführenden Werkstatt berichtete über die Restaurierung und gab Einblicke in die oft sehr anspruchsvollen Arbeiten. Norbert Wagner, stelvertretender Nachbarvater der Zeidner Nachbarschaft aus Deutschland, richtete ein Grußwort im Namen von Nachbarvater Rainer Lehni und überreichte eine Spende der Zeidner Vertretung aus Deutschland. Altnachbarvater Udo Buhn, auf dessen Initiative die Restaurierung ausging, stellte einen kurzen überblick über die Geschichte des Leichenwagens vor.

Für Professorin Maria Cristina Timar war der Tag aus einem ganz persönlichen Grund besonders: Der 15. August ist der Namenstag der Maria – und so wurde die Professorin an ihrem Ehrentag von der Kirchengemeinde herzlich gewürdigt.

Eine Lutherrose aus Blumen

Doch der historische Leichenwagen war nicht das einzige Projekt, das an diesem Tag eingeweiht werden konnte.

Auf Initiative des Zeidner Kirchenvaters entstand im Kirchhof eine ungewöhnliche und zugleich sehr symbolträchtige Gestaltung: eine Lutherrose als Blumenbeet. Das Projekt wurde von Titi Andone Kauntz gemeinsam mit einem Mitarbeiter der Kirchengemeinde umgesetzt.

Die kunstvoll angelegte Lutherrose fügt sich harmonisch in den historischen Kirchhof ein und verbindet auf besondere Weise das kirchliche Symbol mit einer lebendigen, immer wieder neu erblühenden Gestaltung. Eine Arbeit, die bei den Besuchern großen Anklang fand.

Erinnerung an die Unterstützer der Kirchenburg

Ein weiterer Anlass zur Einweihung war die Anbringung einer marmornen Spendentafel an den Kornkammern der Kirchenburg. Sie erinnert an diejenigen, die mit ihren Spenden die zurückliegende Restaurierung der Kirchenburg unterstützt und damit dazu beigetragen haben, dieses bedeutende Baudenkmal für kommende Generationen zu erhalten.

Damit wurde auch sichtbar gemacht, dass der Erhalt einer Kirchenburg nicht allein durch die Kirchengemeinde möglich ist. Er lebt von Menschen, die sich mit ihrer Heimat verbunden fühlen und bereit sind, Verantwortung für deren kulturelles Erbe zu übernehmen.

Drei Einweihungen und ein Namenstag – so unterschiedlich die Anlässe auch waren, sie hatten doch eine gemeinsame Botschaft: Geschichte lebt davon, dass Menschen sich ihrer annehmen.

Der restaurierte Leichenwagen erinnert an die Lebens- und Bestattungskultur früherer Generationen. Die Spendentafel bewahrt die Erinnerung an diejenigen, die zum Erhalt der Kirchenburg beigetragen haben. Und die Lutherrose bringt ein lebendiges Symbol in den Kirchhof.

Nach der offiziellen Zeremonie klang der Nachmittag bei einem gemeinsamen Buffet und Getränken im Kirchhof aus. Gäste, Gemeindemitglieder, Vertreter der HOG, Restauratoren und Studierende kamen miteinander ins Gespräch.

Für die Evangelische Kirchengemeinde Zeiden war dieser 15. August damit weit mehr als nur ein Einweihungstag. Er war ein Tag, an dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammenkamen – und an dem ein Stück Zeidner Geschichte wieder seinen sichtbaren Platz in der Kirchenburg gefunden hat.

Martin Recherth

BU:

Im festlichen Rahmen fand Mitte August im Kirchhof in Zeiden eine Einweihungsfeier anlässlich der Restaurierung des Leichenwagens.

Bild: Ioan Petrea