Der Zeidner Berg „Der Rigi des Burzenlandes“

 
 

Der Zeidner Berg hat mich seit meiner Kindheit fasziniert, obwohl ich ihn nicht jeden Tag sehen konnte (oder vielleicht gerade deswegen?) da wir am Fuße des Zeidner Berges, in den „Woaenerten“, wohnten.
Über ihn wurde relativ viel geschrieben – vor allem auf seine Höhe von 1294 Meter hingewiesen. Zum Beispiel in der „Kronstädter Zeitung“ im Artikel „Unsere Berge“, nach einem Vortrag gehalten in der „Sächsischen Familienzusammenkunft“ am 27. Januar 1901. Der Autor, Julius Römer, schreibt:

„… Der rechte (westliche) Flügelmann des Burzenländer Gebirgsbogens ist der weitschauende Zeidner Berg (1294 Meter), der in unserem Burzenlande als Wetterprophet dasselbe Ansehen genießt, wie in den Schweizer Urkantonen der Pilatus.

Hat der „Zeidner“ einen Hut, dann wird das Wetter gut,
Hat er einen Kragen, dann kannst du’s wagen;
Hat er einen Degen, so gibt’s Regen!“

Mehr als 300 Meter höher, entspricht der Zeidner Berg sowohl in seiner Gestalt als auch nach der Beschaffenheit des Gesteines der Kronstädter Zinne. Beide sind gestreckte, schön geschwungene Rücken aus Jurakalk, beide tragen eine ähnliche, kalkliebende Pflanzenwelt, beide haben unmittelbar unter dem Gipfel eine kleine Höhle, auf der Zinne das „Nonnenloch“, auf dem Zeidner Berg eine geräumige Grotte, in der der Zeidner Verschönerungsverein einen schon oft benützten Tisch und zwei Bänke anbringen ließ. Die Gipfel beider Berge sind von Felspartien gekrönt, aufstrebender und freier an der Zinne von Gestrüpp verhüllt am Zeidner Berg; am Grat beider Bergrücken finden wir kaum noch erkennbare Burgruinen, hier von der umfangreichen Brassovia-Burg der deutschen Ritter, dort von der Schwarzburg des einsamen Salamon.

Hinter beiden Bergrücken liegen schöne Talschluchten: hinter dem Zeidner Berg eine mit prächtigen Buchenbeständen und eine, wenn auch kleine, so doch sehenswerte Höhle, die Gaunose, so geheimnisvoll und lauschig, wie kein Märchendichter sie schöner hätte ersinnen können; hinter der Zinne der sonnige Burgrund, fälschlich Ragadò (Anm. d. Red.: Racadau)genannt, in dessen oberer Gabelung (der eine Ast derselben heißt Eistal, jégesvölgy, der andere Ragadó) jene guten Quellen entspringen, deren Wasser nun röhrengefesselt nach Kronstadt fließt, während es früher auf offenem Wege den Gewerbetreibenden unserer Vaterstadt ihr Handwerk ermöglichte. Endlich sehen beide Berge auf kräftige sächsische Gemeinwesen herab, die beide in ihrem Wappen die kronentragende Baumwurzel haben, - wahrscheinlich Zeichen eines Wettkampfes zwischen beiden Gemeinden um die Führung im Burzenlande. …“

Oder im „Jahrbuch des Siebenbürgischen Karpathenvereins, XIII. Jahrgang 1893“. Dort schreibt auch Julius Römer in seinem Artikel „Die Gebirge des Burzenlandes“ folgendes über diesen Berg (Rechtschreibung wie im Originaltext):

„ … Zu den trügerischen Bergen des Burzenlandes gehört jedoch der Zeidner Berg (Feketehalmi hegy, 1294 M.), der mehr seiner günstigen Lage als seiner Höhe die Zuzählung zu den massgebendsten Burzenländer Bergen verdankt. Infolge seines plötzlichen Emporsteigens aus der Ebene und eines sich wenig vordrängenden Waldgebietes erscheint er bedeutend höher als er wirklich ist, so dass man auf den ersten Blick nicht abgeneigt wäre, ihn dem kleinen Königstein an Höhe zu achten, während seine Höhe mehr als 500 Meter geringer ist. – Wer nun, durch einen Blick auf die Karte von der thatsächlichen Höhe des Zeidner Berges unterrichtet, die Besteigung desselben für äussert leicht und wenig anstrengend halten würde, wäre einer zweiten Täuschung verfallen, da der den runden Waldrücken des Zeidner Berges verhüllende Wald den großen Neigungswinkel des Berghanges nicht erkennen lässt. Selbst jetzt, wo die durch die Ortsgemeinde angelegten Serpentinen* bis hinauf zur „Platte“ (einer Wiese in der Nähe der Grotte, welche nahezu unter der Spitze sich befindet) leiten, presst die Ersteigung dieses steilen Berges dem Fußgänger gar manchen Schweisstropfen auf die Stirne und selbst die Meinung ist von Touristen schon angesprochen worden, dass die Besteigung des Zeidner Berges unangenehmer sei, als die des Schulers. – Der schöne Rundblick, welcher auf der Spitze des Zeidner Berges nicht nur ins Burzenland, besonderes nach dem Königstein, sondern auch weithinein ins Hügelland Siebenbürgens sich öffnet, hat dem Zeidner Berg den Namen „Der Rigi des Burzenlandes“ verschafft, wobei in Betracht des völligen Mangels von Gebirgsseen bei dieser Taufe auch ein gewisser Lokalpatriotismus zu Pate gestanden sein dürfte. – Berechtigter wäre wohl der Vergleich mit dem Pilatus, da der Zeidner Berg als Wetterprophet sich weit und breit einer gleichen Berühmtheit erfreut, als der, trotz seiner „Eselswand“ von der Kunst und Ausdauer menschlicher Technik nun auch bezwungene Wolkenberg bei Luzern.“

Bei der Archivierung des evangelischen Kirchenarchivs in Zeiden ist Thomas Sindilariu auf folgendes Gedicht aus dem Jahre 1904 gestoßen, Autor unbekannt:

Der Zeidner Berg

Breit gelagert liegst Du da,
Wetterberg der Burzenländer Fluren,
wolkenteilend weisest du
Wind und Wetter alte Spuren.

Von dem feuchten Kokelstrand
Sieht man deine Wölbung ragen,
Kunde von der Schwarzburg Macht
Deine Buchen talwärts tragen

Blickest gern und stolz hinab:
Deutsches Leben siehst du schwellen,
das zu dir in dunkler Nacht
sendet neuen Lichtes Wellen.

Schirme, Wetterberg, allzeit
Des Karpatenwandrers Wege,
dass in ihm zur Heimat stets
wärmer sich die Liebe rege!

Wie weit man von der Spitze des Zeidner Berges sehen kann, kann nur derjenige beurteilen, der einmal oben war und bei schönem Wetter diesen Ausblick/Rundblick genossen hat. Aber viele kennen den Zeidner Berg nur von unten - überhaupt die Bewohner der anderen Burzenländer Gemeinden, von wo dieser von überall zu sehen ist.
Der Zeidner Berg hat mich von unten wie von oben fasziniert. Aber bildlich von unten mehr. Darum habe ich viele Fotos von ihm gesammelt und selbst „geschossen“.

Udo Buhn

* zwischen 1890-1895 wurden 22 Serpentinen vom Zeidner Verschönerungsverein in Zusammenarbeit mit der Sektion Kronstadt des Siebenbürgischen Karpatenvereins angelegt. (Aus Zeiden – Eine Stadt im Burzenland, von Georg Gotthelf Zell,1994, S161)